Wir hatten so einen schönen Tag gestern, daß ich erst mal alles aufschreiben muß. Hier geht es noch von Silvester weiter…

Wir sind dann durch das kleine Städtchen Sidi Ifni gelaufen, wo oben auf einem Platz ein Kinderspektakel mit Musik und Animation stattfand, Da es abgesperrt war und nur für Kinder, sind wir weitergeschlendert. Irgendwann kamen wir auf einen Markt, wo man alles mögliche kaufen konnte: Gemüse, Obst, Fleisch, Hühner (da hatten unsere Stellplatznachbarn bestimmt das Huhn gekauft) und natürlich auch Fisch!!!!

Leider hatten wir kein Geld mitgenommen, weil wir ja nur mal schauen wollten, wo wir abends esssen gehen könnten… Deshalb war unsere Idee, zurück zum Hanomag zu gehen und mit dem Auto wieder auf dem Markt zu fahren, Fisch zu kaufen und direkt vor Ort braten zu lassen. Auf dem Rückweg sind wir aber in der Nähe unseres Campingplatzes an einem netten Hotel mit lauter Surfern und einem kleinen Restaurant vorbeigekommen. Dort hat man uns einen Zettel mitgegeben, was es dort für ein Silvestermenu gab. Den haben wir im Hanomag genau studiert und uns entschlossen, doch lieber dort hinzugehen.

Die Entscheidung war auch nicht schlecht, zumal das Essen sehr gut geschmeckt hat und nebenbei auch noch Livemusik geboten wurde. Wir hatten eine Vorspeise, die wie kaltes Fisch-Risotto geschmeckt hat – ich hatte dann ein viereckiges Blätterteigtäschchen mit Huhn gefüllt (der Teig war aber irgendwie gezuckert oben). Da das Rindfleisch schon alle war und es nur noch Huhn gab, haben sie für Hannes eine Tintenfisch-Tajine gemacht. Zum Nachtisch gab es ein feines, leckeres Stück Torte mit einem puddingähnlichen Topping – alles zusammen waren wir sehr zufrieden. Den frisch gebrateten Fisch konnten wir ja immer noch an einem anderen Tag essen…

Zurück am Hanomag haben wir erst mal unsere Flasche Sekt geköpft und mit den Nachbarn auf Silvester angestoßen. Sie hatten reichlich Alkoholvorsprung, wie wir gemerkt haben. Es gesellte sich noch ein Berliner zu uns, der ohne Punkt und Komma geredet hat. Er hatte ein Auge zugeklebt (warum, wissen wir nicht – vielleicht hatte er nur noch eins).

An Neujahr haben wir in aller Ruhe gefrühstückt und das Auto klargemacht, Unser zuletzt gebunkertes Wasser war so chlorhaltig, daß wir es kurzerhand abgelassen haben – wir standen ja auf einem Campingplatz und wollten vor der Ausfahrt neues Wasser bunkern. Normalerweise hätte das auch geklappt, wäre da nicht ein Leitungsproblem auf dem Campingplatz gewesen. Sie waren zwar schon dabei, es zu reparieren, solange wollten wir aber nicht warten. Dann sind wir halt ohne Wasser weitergefahren und haben uns unterwegs 10 l Wasser in Kanistern gekauft – das reichte erst einmal.

Unser „Plan“ war, langsam am Atlantik nach oben zu tingeln und uns dafür viel Zeit zu lassen. Ca. 20 km nach Sidi Ifni sind wir wieder an dem Stellplatz vorbeigekommen, an dem wir letztes Jahr den jungen Berber getroffen hatten. Wir haben angehalten und nach ihm Ausschau gehalten. Leider war seine Hütte leer, man konnte aber erkennen, daß er ab und zu dort sein musste. Ganz in der Nähe waren Schafhirten, die wollten wir mal fragen. Wir hatten ja ein Bild auf unserem Blog vom letzten Jahr mit ihm und Hannes. Aber beide Hirten kannten ihn nicht, was uns schon ein wenig gewundert hat, Wir wollten ihm auf jeden Fall ein paar Geschenke dalassen und haben überlegt, wie wir ihm klarmachen können, daß sie von uns sind. Ein Foto von uns hatten wir nicht, sodaß ich auf die Idee kam, das Auto abzumalen und uns beide daneben mit dem Hinweis auf Hannes‘ Größe!

Die Nachricht haben wir ihm dann in seine Hütte gelegt und sind schweren Herzens weitergefahren. Nach kurzer Fahrt haben wir direkt am Meer Rast gemacht und an einem kleinem Lokal etwas gegessen (diesmal Fisch!). Während wir so dasitzen und auf’s Meer schauen, können wir zwei Menschen beobachten, die ca. 1 Stunde lang Yoga gemacht haben.

Während ich das hier schreibe, oberhalb einer Klippe in praller Sonne direkt am Atlantik kommt Hannes mit der Drohne zurück – sie ist leider abgestürzt und ins Wasser gefallen!!!!! Jetzt stinkt sie und liegt direkt vor mir auf dem Tisch! Schade – die Filme haben uns so gut gefallen und es hat super Spaß gemacht, damit zu fliegen.

Nach dem Essen hatten wir gefragt, ob wir an dieser Stelle frei übernachten können. Wir haben zwar nicht ganz verstanden, was er gesagt hat, wollten dann aber lieber doch woanders hin und sind wieder an die Hütte des jungen Berbers zurückgefahren. Leider war er immer noch nicht da. Das Geschenk lag auch unberührt da… und da es mal wieder Sonnenuntergang war, haben wir den erst mal fotografiert.

Ein wenig enttäuscht, daß wir ihn nicht angetroffen haben, saßen wir dann im Hanomag und haben uns die alten Beiträge vom letzten Jahr angeschaut.

Da ruft auf einmal jemand von draußen!

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr er sich gefreut hat, uns zu sehen. Er ist Hannes direkt um den Hals gefallen und auch Hannes war zu Tränen gerührt!! Die Wiedersehensfreude war überwältigend! Wir hatten so einen schönen Abend zusammen und jetzt wissen wir auch, daß er Mbarek heißt und 29 Jahre alt ist. Er lebt mit seiner Mutter und einigen Geschwistern in den Bergen in der Nähe und hat immer mal wieder geschaut von oben, ob er unser Auto sieht. Ich hab selten zwei Menschen gesehen, die sich so sehr gefreut hatten, sich wiederzusehen!!!!  Wie sich herausstellte, hatte er sich mit einer App auf seinem Handy selbst ein wenig deutsch beigebracht und zu unserer Überraschung waren seine Haare ganz kurz. Deshalb hat ihn vielleicht auch niemand erkannt?!?

Während unserer Unterhaltung kamen wir irgendwann auch auf das Fischen zu sprechen und wir fragten ihn, wie man denn Tintenfisch zubereitet. Nachdem er es uns erst erklärt hat, hat er gefragt, wie lange wir denn noch hierbleiben. Er würde uns am nächsten Morgen frischen Tintenfisch angeln und den dürften wir in seiner Tajine zubereiten. Letztendlich haben wir uns dann geeinigt, zusammen zu kochen. Wir sind glückselig ins Bett gefallen und er ist in seiner Hütte entschwunden.

Am nächsten Morgen kam er tatsächlich mit einer großen Schüssel Tintenfischen vom Meer und hat ihn mit uns zusammen gewaschen. Danach wollte er in sein Dorf zurücklaufen, um zu arbeiten. Heute Nachmittag kommt er dann wieder und wir machen den Fisch. Damit er nicht so weit laufen muss (das dauert c a. 1 Stunde), haben wir ihn mit dem Auto in die Berge hochgefahren. Er war so glücklich – und Hannes und ich waren es auch! Ich schreibe jetzt erst heute abend weiter, mehr ist ja noch nicht passiert!!! Bilder von Mbarek sind auch noch auf der Kamera. Das kommt alles morgen!!!

Mbareks Stellplatz an seiner Hütte