Heute sind wir erst gegen Mittag gestartet, um den Tag in Marrakesh zu verbringen. Da wir ganz in der Nähe der Medina auf einem bewachten Parkplatz stehen (ohne Dusche und Klo) haben wir gleich unsere „Badesachen“ mitgenommen, um gegen abend ein Hammam aufzusuchen.

Zu Beginn haben wir erst mal eine Kutschfahrt gemacht – es ging erst ein Stück durch die Medina (Altstadt) und dann zwischen Autos, Rollern, Fahrrädern, jede Menge anderer Kutschen auf der Straße in die Neustadt, wo wir am Präsidentenpalast und anderen Sehenswürdigkeiten vorbeigaloppiert sind.

Den Preis hatten wir vorher mit 200 Dirham (20 Euro) verhandelt. Es sollte eine Stunde dauern und die „große“ Runde beinhalten. Da wir ja nicht wußten, was er unter „großer Runde“ versteht, haben wir mal beim Start auf die Uhr geschaut… und nach genau 40 Minuten waren wir wieder am Ausgangspunkt. Den Kutscher darauf angesprochen, hat er doch glatt schlagfertig behauptet: „Seine Pferde seien schließlich im Galopp gelaufen und nicht so langsam wie die anderen…“ Wir haben trotzdem auf einer Extrarunde bestanden und diese auch bekommen.. das hat genau 2 Minuten gedauert (wir haben uns praktisch kurz im Kreis gedreht). Na ja, man will ja nicht meckern, die Pferde konnten mit Sicherheit eine Pause gut gebrauchen, sind sie mit uns ja im Galopp gelaufen…

Kutschfahrt in Marrakesh

Kutschfahrt durch Marrakesh

Danach ging es weiter durch die Medina. So schön alles ist, nervt es nach kurzer Zeit doch ziemlich, daß man von jedem Händler angesprochen wird und man doch seine Waren „nur anschauen“ soll. Zwischendrin gibt es noch die Führer, die einem auch erzählen, wie gut sie sich auskennen und man alleine nicht mehr herausfände. Erschwerend kamen noch die „Herren“ dazu, die einem ein bestimmtes Lokal schmackhaft machen wollten. Wir sind praktisch in kein Lokal alleine reingekommen, sondern wurden immer von einem „Herrn“ nach oben gebracht (auf die Dachterrasse meistens).

Hannes auf Dachterrasse in Marrakesh

Hannes auf Dachterrasse in Marrakesh

So landeteten wir auch nach kurzer Zeit wieder auf einer Dachterrasse, um dem bunten Treiben in aller Ruhe von oben zuzusehen. Da es mal wieder kurz vor Sonnenuntergang war, hatten wir den besten Ausblick von diesem Platz und ich habe etliche Fotos geschossen. Hier eine kleine Auswahl davon:

Unsere Gedanken kreisten allmählich um den bevorstehenden Hammam-Besuch. Hannes war vor vielen Jahren mal in Istanbul in einem Hammam und ich war auch vor sehr vielen Jahren einmal im Türkei-Urlaub in einem Hammam. Was uns hier in Marrakesh jedoch erwarten würde, konnten wir uns nicht vorstellen. Also suchten wir mal wieder das im Reiseführer angepriesene Hammam per GPS. Dreimal im Kreis gelaufen und nix gefunden (das GPS hat in der Medina bei den kleinen Gassen so seine Probleme, wie uns schien…) haben wir doch einen „Führer“ in Anspruch genommen, der uns erklärte, daß es das besagte Hammam nicht mehr gibt. Stattdessen hat er uns selbstverständlich an ein anderes Hammam gebracht, das – wie konnte es anders sein – das Beste in der Gegend sein sollte – sehr günstig, versteht sich. Wir wollten dennoch zu der von uns gesuchten Adresse gebracht werden und dort gab es das angegebene Hammam tatsächlich nicht mehr. Aber es hatte „nur“ den Besitzer gewechselt und wir sind dort geblieben.

Erwartungsvoll ging es eine steile Treppe nach oben. Dort wurden wir von einer Dame empfangen, die uns über die Preise aufgeklärt hat, bzw. uns einen Flyer in die Hand gedrückt hat, wo wir unter ca. 20 verschiedenen Angeboten wählen sollten. Das war uns zu kompliziert und wir haben einfach für jeden eine Massage (1 Stunde) und Hammam (1/2 Stunde) genommen. Pro Person machte das 300 Dirham (30 Euro).

Dann ging es ein weiteres Stockwerk hinauf und dort sollten wir uns ausziehen… gesagt, getan und so lagen wir jeder auf einem „Schragen“ nebeneinander und warteten gespannt, was nun passiert. Ich habe noch vergessen zu erwähnen, daß Hannes seine Unterhose anbehalten hat… Als erstes wurden wir zugedeckt und sollten wohl relaxen. Wir haben es aber vorgezogen, uns zu unterhalten… im Hintergrund lief leise Musik und das Licht war aus…

Zu unserer Freude kamen nach kurzer Zeit zwei Damen, denn plötzlich spürte ich, wie jemand begann, meinen Fuß zu massieren. Das ging dann so weiter und wurde nur unterbrochen, wenn wir mal wieder 5 Minuten dazwischen relaxen sollten. Als wir fertig waren, sollten wir den Damen ins Hammam folgen. Es ging wieder eine steile Treppe ein Stockwerk höher. Für den Weg nach oben wurden uns zwei Badeschuhe gegeben, die Hannes niemals gepasst hätten. Da mußten selbst die Damen lachen…

Im eigentlichen Hammam wird man von Kopf bis Fuß gewaschen und immer wieder mit warmem Wasser übergossen. Insgesamt war das eine sehr interessante Erfahrung. Ich hätte mal gerne gewußt, wie so etwas in einem Luxus-Hammam ist (wahrscheinlich waren wir hier eher in einem Touristen-Hammam gelandet). Insgesamt waren wir ganz zufrieden und nach einer Stunde war der „Zauber“ auch schon vorbei…

Den Abend haben wir wieder auf einer Dachterrasse ausklingen lassen, weil man von oben dem bunten Treiben genußvoll zuschauen kann – und nebenbei noch schöne Fotos schießen…