4. Januar 2017 – Wir lassen uns treiben in Marrakesh

4. Januar 2017 – Wir lassen uns treiben in Marrakesh

Heute sind wir erst gegen Mittag gestartet, um den Tag in Marrakesh zu verbringen. Da wir ganz in der Nähe der Medina auf einem bewachten Parkplatz stehen (ohne Dusche und Klo) haben wir gleich unsere „Badesachen“ mitgenommen, um gegen abend ein Hammam aufzusuchen.

Zu Beginn haben wir erst mal eine Kutschfahrt gemacht – es ging erst ein Stück durch die Medina (Altstadt) und dann zwischen Autos, Rollern, Fahrrädern, jede Menge anderer Kutschen auf der Straße in die Neustadt, wo wir am Präsidentenpalast und anderen Sehenswürdigkeiten vorbeigaloppiert sind.

Den Preis hatten wir vorher mit 200 Dirham (20 Euro) verhandelt. Es sollte eine Stunde dauern und die „große“ Runde beinhalten. Da wir ja nicht wußten, was er unter „großer Runde“ versteht, haben wir mal beim Start auf die Uhr geschaut… und nach genau 40 Minuten waren wir wieder am Ausgangspunkt. Den Kutscher darauf angesprochen, hat er doch glatt schlagfertig behauptet: „Seine Pferde seien schließlich im Galopp gelaufen und nicht so langsam wie die anderen…“ Wir haben trotzdem auf einer Extrarunde bestanden und diese auch bekommen.. das hat genau 2 Minuten gedauert (wir haben uns praktisch kurz im Kreis gedreht). Na ja, man will ja nicht meckern, die Pferde konnten mit Sicherheit eine Pause gut gebrauchen, sind sie mit uns ja im Galopp gelaufen…

Kutschfahrt in Marrakesh

Kutschfahrt durch Marrakesh

Danach ging es weiter durch die Medina. So schön alles ist, nervt es nach kurzer Zeit doch ziemlich, daß man von jedem Händler angesprochen wird und man doch seine Waren „nur anschauen“ soll. Zwischendrin gibt es noch die Führer, die einem auch erzählen, wie gut sie sich auskennen und man alleine nicht mehr herausfände. Erschwerend kamen noch die „Herren“ dazu, die einem ein bestimmtes Lokal schmackhaft machen wollten. Wir sind praktisch in kein Lokal alleine reingekommen, sondern wurden immer von einem „Herrn“ nach oben gebracht (auf die Dachterrasse meistens).

Hannes auf Dachterrasse in Marrakesh

Hannes auf Dachterrasse in Marrakesh

So landeteten wir auch nach kurzer Zeit wieder auf einer Dachterrasse, um dem bunten Treiben in aller Ruhe von oben zuzusehen. Da es mal wieder kurz vor Sonnenuntergang war, hatten wir den besten Ausblick von diesem Platz und ich habe etliche Fotos geschossen. Hier eine kleine Auswahl davon:

Unsere Gedanken kreisten allmählich um den bevorstehenden Hammam-Besuch. Hannes war vor vielen Jahren mal in Istanbul in einem Hammam und ich war auch vor sehr vielen Jahren einmal im Türkei-Urlaub in einem Hammam. Was uns hier in Marrakesh jedoch erwarten würde, konnten wir uns nicht vorstellen. Also suchten wir mal wieder das im Reiseführer angepriesene Hammam per GPS. Dreimal im Kreis gelaufen und nix gefunden (das GPS hat in der Medina bei den kleinen Gassen so seine Probleme, wie uns schien…) haben wir doch einen „Führer“ in Anspruch genommen, der uns erklärte, daß es das besagte Hammam nicht mehr gibt. Stattdessen hat er uns selbstverständlich an ein anderes Hammam gebracht, das – wie konnte es anders sein – das Beste in der Gegend sein sollte – sehr günstig, versteht sich. Wir wollten dennoch zu der von uns gesuchten Adresse gebracht werden und dort gab es das angegebene Hammam tatsächlich nicht mehr. Aber es hatte „nur“ den Besitzer gewechselt und wir sind dort geblieben.

Erwartungsvoll ging es eine steile Treppe nach oben. Dort wurden wir von einer Dame empfangen, die uns über die Preise aufgeklärt hat, bzw. uns einen Flyer in die Hand gedrückt hat, wo wir unter ca. 20 verschiedenen Angeboten wählen sollten. Das war uns zu kompliziert und wir haben einfach für jeden eine Massage (1 Stunde) und Hammam (1/2 Stunde) genommen. Pro Person machte das 300 Dirham (30 Euro).

Dann ging es ein weiteres Stockwerk hinauf und dort sollten wir uns ausziehen… gesagt, getan und so lagen wir jeder auf einem „Schragen“ nebeneinander und warteten gespannt, was nun passiert. Ich habe noch vergessen zu erwähnen, daß Hannes seine Unterhose anbehalten hat… Als erstes wurden wir zugedeckt und sollten wohl relaxen. Wir haben es aber vorgezogen, uns zu unterhalten… im Hintergrund lief leise Musik und das Licht war aus…

Zu unserer Freude kamen nach kurzer Zeit zwei Damen, denn plötzlich spürte ich, wie jemand begann, meinen Fuß zu massieren. Das ging dann so weiter und wurde nur unterbrochen, wenn wir mal wieder 5 Minuten dazwischen relaxen sollten. Als wir fertig waren, sollten wir den Damen ins Hammam folgen. Es ging wieder eine steile Treppe ein Stockwerk höher. Für den Weg nach oben wurden uns zwei Badeschuhe gegeben, die Hannes niemals gepasst hätten. Da mußten selbst die Damen lachen…

Im eigentlichen Hammam wird man von Kopf bis Fuß gewaschen und immer wieder mit warmem Wasser übergossen. Insgesamt war das eine sehr interessante Erfahrung. Ich hätte mal gerne gewußt, wie so etwas in einem Luxus-Hammam ist (wahrscheinlich waren wir hier eher in einem Touristen-Hammam gelandet). Insgesamt waren wir ganz zufrieden und nach einer Stunde war der „Zauber“ auch schon vorbei…

Den Abend haben wir wieder auf einer Dachterrasse ausklingen lassen, weil man von oben dem bunten Treiben genußvoll zuschauen kann – und nebenbei noch schöne Fotos schießen…

 

 

 

 

 

3. Januar – Eintauchen in 1001 Nacht

3. Januar – Eintauchen in 1001 Nacht

Was uns hier bei Ankunft in fast jeder Stadt aufgefallen ist, sind die schönen Einfahrtsstraßen mit den hübschen Laternen als Beleuchtung, Kaum erreicht man eine größere Stadt, gibt es immer wieder diesen Anblick. Dieses Bild ist bei der Abfahrt von Ouarzazate nach Marrakesh entstanden und man sieht schon das Atlasgebirge, was jetzt unser nächstes Ziel Richtung Marrakesh ist.

Straße am Ortsein- bzw. Ausgang von Ouarzazate

Straße am Ortsausgang von Ouarzazate auf der Fahrt Richtung Marrakesh – im Hintergrund das Atlasgebirge

Wir haben uns für eine schöne Route über einen Pass quer durch das Atlasgebirge entschieden. Obwohl in unserem Reiseführer davon abgeraten wurde, die Strecke in die Richtung zu fahren, wie wir sie genommen haben, konnten wir an keiner Stelle sagen, daß es kritisch oder nicht gegangen wäre. Es war eine der schönsten Pisten, die wir bisher hier gefahren sind…

Zuerst brauchten wir aber noch ne Flasche Rotwein für Hannes (sein Alkoholvorrat war verbraucht) und das ist in Marokko nicht ganz einfach. Auf der Hauptstraße in Ouarzazate sehe ich auf einmal einen Yves Rocher Laden. Da haben wir gleich angehalten und ein Bild gemacht.

Yves Rocher Geschäft in Ouarzazate

Yves Rocher Geschäft in Ouarzazate an der Hauptstraße entdeckt

Gleich ein paar Läden daneben gab es einen Supermarkt, wo wir den Rotwein kaufen konnten und dann ging es schon los auf die Fahrt Richtung Atlasgebirge. Zunächst kamen wir an einer verlassenen Stadt mit einer Kasbah (Burgruine) vorbei – Ait Bennaidou.
Dort haben schon Kamelführer gewartet, um einen durch den Ort nach oben zu bringen. Das haben wir uns aber verkniffen, weil
wir lieber den Pass noch vor uns hatten und Marrakesh erreichen wollten. Aber für ein paar Fotos hat die Zeit gereicht:

Blick auf Ait Bennadiou – eine Burgruine mit einem verlassenen Dorf – Weg dorthin mit Kamelen möglich

Jetzt ging es langsam bergauf. Am Anfang haben wir auch noch ein paar Straßenbauarbeiten gesehen, aber Hannes sagte; „So dürften sie in Stuttgart keine Straße hinterlassen…“

Bergrauf ins Atlasgebirge – hinten sieht man schon Schnee (letztes Jahr – 2015 war kein Schnee oben)

Immer wieder sieht man diese kleinen Dörfer am Hang, wo bunte Wäsche hängt oder die Viehirten mit Eseln Stroh oder anderes transportieren. Noch ist der Atlas weit entfernt. Das änderte sich aber, je höher wir kamen. Die Landschaft sah auf einmal auch anders aus – es schimmerte in allen Farben…

Prachtvolle Farben je höher wir ins Atlasgebirge kommen – oben liegt sogar etwas Schnee.

Nach dieser überwältigenden Überquerung geht es langsam wieder bergab und wir gönnen uns ein kleines Päuschen und trinken Kaffee auf einem Parkplatz. Direkt hinter mir geht ein Abgrund runter… jetzt ist auch das letzte Stück Stollen von Oma Heide aufgegessen… Die Stühle stehen da, weil uns gerade ein paar Schweden nette Komplimente zum Hanomag gemacht haben…

Pause nach Überquerung des Atlasgebirge Richtung Marrakesh

Kaffeepause nach Überquerung des Atlasgebirges 60km vor Marrakesh

Jetzt waren es nur noch 60 km bis Marrakesh und es war noch Zeit bis Sonnenuntergang. Dank unserer Navigationskünste haben wir den Stellplatz hinter einer großen Moschee gleich gefunden und sind direkt in die Medina (Altstadt) abgetaucht…
Welch überwältigende Stadt!!!!

Moschee hinter unserem Stellplatz in Marrakeshj

Wir waren total überwältigt von alldem Trubel und haben uns einfach treiben lassen…

Auf dem Weg in die Medina – vorbei an einem riesigen Platz mit Gauklern, Schlagenbeschwörern, Wahrsagern,…

Irgendwann übermannte uns jedoch der Hunger und so haben wir quer durch die kleinen Gassen der Medina ein Restaurant gesucht, das im Reiseführer beschrieben wurde – und wer hätte es gedacht – wir haben es gefunden. Der Eingang war sehr unscheinbar, aber drinnen wurde man von einer Dame empfangen, die erstmal unseren Namen wissen wollte. Danach wurden wir von einem Angestellten auf’s Dach geleitet (die Angestellten trugen alle weiße Kaftans, eine Mütze und weißen Schuhe). Dort oben kamen wir in einen Raum auf der Dachterrasse mit Teppichen ausgekleidet und Sitzpolstern am Boden, Kerzen und Lampen… und haben uns erst mal einen Mojito (Cocktail) gegönnt und darauf angestoßen, daß wir diese tolle Fahrt erleben dürfen…

Hannes auf Dach des Restaurants in Marrakesh

Hannes auf Dach des Restaurants in Marrakesh

Zum Essen wurden wir wieder nach unten geleitet und haben sehr vornehm mit weißen Tischdecken und jede Menge Bedienung ein sehr feudables Menü mit unterschiedlichsten Vorspeisen und einen wunderschönen Abend erlebt.