Nachdem wir mal wieder am Atlantik weiter nach Süden runtergefahren sind, stand für uns fest, einen Stopp in Sidi Wassay unterhalb von Agadir einzulegen, um Günter und Sieglinde aus Rosenheim zu überraschen. Die beiden hatten wir vor 2 Jahren auf der Fähre von Genua nach Tanger kennengelernt und damals schon auf demselben Campingplatz zufällig wiedergetroffen. Diesmal wussten wir schon vorher, daß sie dort waren. Nur die beiden wussten nicht, daß wir kamen… wir sind halt gerne für eine Überraschung gut.

Leider kamen wir erst im Dunkeln an und mir ging es nicht wirklich gut. Wir hatten unterwegs eine Tajine mit Fleisch und Gemüse gegessen und uns zusätzlich Hackfleischbällchen braten lassen. Das muss mir irgendwie nicht bekommen sein, denn ich hatte die ganze Nacht Brechdurchfall. Deshalb ist auch unser Sektfrühstück erst einmal ins Wasser gefallen. Dennoch haben wir den Abend zusammen verbracht und hatten uns viel zu erzählen. Die beiden sind weit gereist und uns sehr ans Herz gewachsen.

Deshalb sind wir auch nur schweren Herzens am nächsten Mittag weitergefahren. Da wir nun schon einmal so weit unten waren, konnten wir auch gleich noch Mbarek besuchen, den wir auch bei unserer ersten Tour vor 2 Jahren kennengelernt hatten. Und obwohl er nicht zu Hause war und unseren Steyr noch nicht kannte, muss er uns vom Strand unten gesehen haben, denn er kam plötzlich von ganz unten vom Meer den steilen Berg hochgerannt und hat sich riesig gefreut, uns zu sehen.

Während wir auf ihn gewartet haben, ist uns aufgefallen, daß er sein ‚Haus‘ etwas vergrößert und einen kleinen Garten angelegt hat. Er liebt Landwirtschaft und Fischen und das merkt man einfach.

Diesmal hatten wir die Idee, für ihn etwas zu kochen und haben uns für Rindsrouladen mit Blaukraut und Pommes entschieden, da wir nur 2 Flammen haben, aber einen Backofen für die Pommes. Kaum waren die Pommes im Ofen, kam auch schon die Polizei und hat uns klar gemacht, daß wir hier auf keinen Fall länger stehen bleiben könnten, weil es zu gefährlich sei. So mussten wir an einen geeigneten Parkplatz in Sichtweite fahren, wo wir bewacht stehen konnten. Dann konnte das Essen fertig gekocht werden (die Rouladen waren aus der Dose und der Rotkohl aus dem Glas). Wir waren sehr gespannt, wie Mbarek wohl das deutsche Essen schmecken würde. Na jedenfalls hat er alles aufgegessen!!!

Am nächsten Morgen war Sonntag und in Sidi Ifni ist dort immer Souk (Markt). Da sind wir gemeinsam hingefahren, um für ihn und seine Mutter, die in den Bergen in der Nähe lebt, einzukaufen. Ihr glaubt gar nicht, wie günstig man als Berber die Sachen bekommt. Wir hatten mehrere Taschen voll Gemüse, Obst, Brot und Olivenöl und haben weniger als 10 Euro bezahlt. Das war ein besonderes Erlebnis für uns und obwohl wir es schon geahnt hatten, war uns im Anschluss klar, daß wir als Touristen immer mehr bezahlen. Aber wir wollen nicht meckern, wahrscheinlich haben wir auch mehr und dann ist es schon in Ordung.

Jedenfalls ging es danach in die Berge zu seiner Mutter. Sein Vater ist bereits gestorben und so lebt sie alleine mit einem Bruder und Mbarek in einem Steinhaus ohne fließend Wasser. In diesem Haus sitzen alle auf dem Boden und hier sind auch alle 9 Kinder geboren worden und aufgewachsen. Wir wurden so herzlich empfangen wie selten. Es war ein ganz besonders schönes Erlebnis für uns, den Tag in den Bergen mit seiner Familie verbringen zu dürfen und so tiefe Einblicke in die Kultur der Berber zu bekommen.

Ein besonderes Zeremoniell ist die Teezubereitung, die mit einem Gaskocher in der Küche auf dem Boden zelebriert wird. Dafür wird der Tee mehrfach in Gläser eingegossen, um ihn direkt wieder zurück in die Kanne zu schütten. Der Sinn dahinter ist uns verborgen geblieben, zumal ich das Ergebnis zu stark, ein wenig zu bitter und dafür zu viel Zucker reingemacht wird, daß ich manchmal dachte, weniger wäre vielleicht besser. Also ich meine weniger Tee rein tun und nicht so lange ziehen lassen, dann wäre er vielleicht nicht so bitter und man bräuchte nicht so viel Zucker. Da wir nicht so viel Zucker wollten, hat dem Rest der Familie der Tee gar nicht mehr geschmeckt und wir mussten alle nachsüssen. Das war aber alles ganz lustig und wir haben mit Händen und Füssen eine wunderbare Konversation betrieben.

Danach sind wir spazieren gegangen und Mbarek hat uns seine Tiere gezeigt. Sie haben Ziegen, Schafe, Hühner, 2 Esel und jede Menge Kaktusfeigen, Arganbäume und Kräuter und Gemüse. Dieses Jahr war es nicht so trocken wie letztes Jahr und das konnten wir sehen, weil es viel grüner war als im letzten Jahr. Ganz in der Nähe war ein Brunnen, aus dem wir ebenfalls Wasser geholt und gekostet haben.

Leider waren wir nicht so schnell wie Mbarek normalerweise läuft uns so war es stockdunkel, als wir über die Berge und Stock und Stein wieder an dem Haus seiner Mutter waren.

Dennoch haben sie uns bereits erwartet – zufällig war auch ein anderer Bruder aus Agadir zu Besuch – und es wurde das Feuer für die Tajine zum Abendessen angefacht. Mit der Glut wurde danach ein Kocher bestückt und danach hat Mbarek die Tajine vorbereitet. Zuerst die Karotte, dann kam ein von ihm gefangener Fisch rein, Kartoffeln, Tomaten, Zitronen, Olivenöl und Gewürze. Danach sind wir mit der Tajine in einen anderen Raum gegangen, in dem sie immer gemeinsam essen. Auch dort sitzen alle auf dem Boden, es liegen aber Teppiche aus und jeder hat ein schweres Kissen zum Anlehnen…

Hier haben wir dann keine Fotos mehr gemacht, weil wir nicht unhöflich sein wollten. Es war aber sehr lustig, weil es mit Händen und Füssen eben manchmal Verständigungsschwierigkeiten gibt, die dann pantomimisch dargestellt wurden, um es besser zu erklären… Mbarek war so glücklich, das hat man richtig gemerkt. Er hat uns erklärt, daß wir die ersten Touristen seien, die jemals bei ihnen zu Hause sein durften und das war eine ganz besondere Ehre für uns. Seine Mutter war richtig stolz auf ihn, hatte man den Eindruck. Sie ist wirklich eine sehr warmherzige Frau.

Wir haben uns dann in den Steyr vor der Tür gelegt und am nächsten Morgen gab es noch einmal ein gemeinsames Frühstück für uns. Seine Mutter hatte schon früh Brot gebacken und das wird dann in Stücke gebrochen und in Honig und/oder Olivenöl getunkt und zusammen mit Tee gegessen. Das macht komischerweise ziemlich satt, wie wir gemerkt haben.

Schweren Herzens haben wir uns danach verabschiedet und haben Mbarek wieder zu seiner Hütte am Stellplatz auf den Klippen zurückgefahren. Wir werden ihn sicher nächstes Jahr wieder besuchen und darauf freuen wir uns schon heute. Der Abschied war wie immer sehr traurig!!!!!!